Bezahlbares Wohnen für alle! – auch in Mecklenburg-Vorpommern

„Bezahlbares Wohnen für alle zu schaffen – bedeutet wesentlich mehr als „bauen, bauen, bauen!“ – Ein Resümee mit Ausblick der gemeinsamen Wohnungsbaukonferenz vom 4. Oktober 2018

Die Erforderlichkeit dieser zweiten Wohnungsbaukonferenz nach 2016 ergab sich aus einer Reihe von Gründen. Die damals behandelten Themen „dringend benötigter neuer und bezahlbarer Wohnraum“ haben sich nochmals deutlich verschärft. Die laut hörbare Forderung „bauen, bauen, bauen – und dann regulieren sich die Wohnungsmärkte“ ist weiterhin nie zielführend, auch in Anbetracht der bestehenden städtebaulich stark differenzierten Herausforderungen in Mecklenburg-Vorpommern. Letztlich aber auch weil die Legislaturperiode in Mecklenburg-Vorpommern Halbzeit hat und aktuell die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig offiziell einen Paradigmenwechsel beim Wohnungsbau für das Land einfordert.

Insofern hat das neue „Forum für Wohnungsbau, Städtebau und Baukultur in Mecklenburg-Vorpommern e.V. – bauen-für-alle.de“, das sich aus der letzten Wohnungsbaukonferenz heraus gegründet hat, gemeinsam mit der SRL, der Architektenkammer M-V, dem BDA, dem BDLA, der VfA und der Ingenieurklammer M.-V. die Initiative ergriffen, den Diskurs inhaltlich zu intensivieren und mit qualifizierten Forderungen zielführender anzulegen. Es ging darum, die begonnenen Diskussionen über qualifizierte Stadt-, Orts- und Quartiersentwicklung, bei denen das Gemeinwohlinteresse und die soziale Ausgewogenheit, eine hohe städtebauliche und nutzungsstrukturelle Qualität, ein hoher Standard an Nachhaltigkeit sowie die Bereitschaft für neue Wege und Projekte im Vordergrund stehen, breiter im Land anzulegen und öffentlich fortzuführen. Dies ist notwendig, angesichts der zunehmend monokausalen Argumentation. Denn es geht nicht nur um bezahlbares Wohnen, es muss um nachhaltige Quartiers- und Siedlungsentwicklung mit guten Nachbarschaften, die Sicherung der Daseinsvorsorge, die Schaffung von Infrastruktur und Sicherung der Mobilität expliziert auch in strukturschwachen Räumen gerungen werden.

Dabei ging auf der Wohnungsbaukonferenz in Warnemünde selbstverständlich auch um die Herausarbeitung  bestimmter Themen, wie „Was bedeutet bezahlbarer Wohnungsbau?“, „Dichte und Wohnqualität“, „serielles Bauen als Antwort auf bezahlbaren Wohnungsbau“, „Ist eine andere Bodenpolitik notwendig?“ und „starke Mobilität“.

Es ging um die Frage nach neuen Perspektiven und Zielstellungen des Wohnungs- und Städtebau von morgen: „Die Tatsache, dass der Grund und Boden unvermehrbar und unentbehrlich ist, verbietet es, seine Nutzung dem unübersehbaren Spiel der Kräfte und dem Belieben des Einzelnen vollständig zu überlassen; eine gerechte Rechts- und Gesellschaftsordnung zwingt vielmehr dazu, die Interessen der Allgemeinheit in weit stärkerem Maße zur Geltung zu bringen als bei anderen  Vermögensgütern.“ (Bundesverfassungsgericht, 1967 in seinem Beschluss zum Artikel 14 Grundgesetz)

Herausforderungen und Aufgaben

120 Architekten, Stadtplaner, Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunal- und Landespolitik, aus der Wohnungswirtschaft, aus den kommunalen Fachverwaltungen und Interessierte haben auf der Wohnungsbaukonferenz in verschiedene Formaten und Runden darüber diskutiert:

  • Wie kann das Ziel einer sozial ausgewogenen Wohnungsversorgung erreicht werden? Was kann von Seiten des Bundes, des Landes M.-V., von den Kommunen und von der Wohnungswirtschaft erwartet und geleistet werden?
  • Was bedeutet bezahlbares Wohnen? Wie kann man dem Prozess der sozialen Segregation nachhaltig begegnen?
  • Sind neue Wohnformen, innerörtlicher Nachverdichtung, serielles Bauen, verringerte Wohnungs(aus-)baustandards bis hin zum Wohnhochhaus die richtigen Antworten für morgen?
  • Sind Mobilitätskonzepte, E-mobilität und autonomes Fahren die Chance für lebenswerte Quartiere? Welche Funktionen und Qualitäten müssen Freiräume, Plätze und öffentliche Räume künftig haben?
  • Ist eine andere Bodenpolitik erforderlich, um bezahlbares Wohnen, um lebenswerte Städte zu schaffen?

Aus den Impulsreferaten, den Ergebnissen der Podiumsdiskussion, den Ergebnissen der vier Fachforen „soziale Wohnraumversorgung“, „Neue Bodenpolitik“, „Wohnungs- und Städtebauformen und -standards und Freiraumqualitäten“ und „Starke Mobilität und neue Quartiere“ sowie der Positionsdebatte zwischen Politik, Wissenschaft und kommunaler Fachverwaltung werden weiterführende Schlussfolgerungen und Empfehlungen gezogen, die durch den Veranstalter in ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen überführt  werden.

Ausblick

Das „Forum für Wohnungsbau, Städtebau und Baukultur Mecklenburg-Vorpommern e.V.“ wird den initiierten Fachdiskurs und -dialog auf Grundlage des  zu arbeitenden Positionspapiers mit Handlungsempfehlungen  weiter fortsetzen.

Zudem sollen die initiierten Gespräche mit der Landesregierung, den Landtagsfraktionen und dem zuständigen Landesministerium in Bezug auf mögliche Umsetzungsstrategien der Handlungsempfehlungen fortgeführt und ausgeweitet werden.

Darüber hinaus ist beabsichtigt, im Vorfeld der nächsten Landtagswahl eine weitere Wohnungsbaukonferenz für Mecklenburg-Vorpommern durchzuführen.

 

Autoren: Wolfgang Oehler, Vors. Forum „bauen-für-alle.de“, Stadtplaner; Anja Epper, Stadtplanerin SRL M-V